Annika Frahsa wird Lindenhof-Stiftungsprofessorin für Community Health

07. Mai 2021

Annika Frahsa wurde von der Universitätsleitung der Universität Bern zur Lindenhof-Stiftungsprofessorin für Community Health (sozial-räumliche Gesundheitssystemforschung) gewählt. Die Assistenzprofessur wurde dank der Unterstützung durch die Stiftung Lindenhof Bern errichtet. Sie befasst sich mit der Gesundheitsförderung unter Einbezug der Bevölkerung und ist schweizweit einzigartig.

Das öffentliche Gesundheitswesen und moderne Gesundheitssysteme sehen sich wachsenden Herausforderungen ausgesetzt. Dazu gehören anhaltende demographische Veränderungen wie der Altersstrukturwandel, Urbanisierung und Migrationsbewegungen, sowie sich verändernde Erwartungen an gesellschaftliche Institutionen, die Organisation von Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Versorgung.

Mit Hilfe der Stiftung Lindenhof Bern wurde 2018 eine Stiftungsprofessur am Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) errichtet, die primär mit sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden die sozialen Prozesse rund um Gesundheitssysteme erforschen und in der Lehre vertreten wird. «Vor dem Hintergrund der immer komplexeren Herausforderungen bedarf es neuer Ansätze in Forschung und Lehre im Fachgebiet Public Health. Die Lindenhofstiftungsprofessur für Community Health ist ein entscheidender Schritt in diese Richtung», sagt Prof. Thomas Abel vom ISPM, der sich massgeblich für die Errichtung der Stiftungsprofessur eingesetzt hat.

Die Stiftungsprofessur ist auf 10 Jahre angelegt und wird von der Stiftung Lindenhof Bern mit fünf Millionen Franken unterstützt. Nun wurde die Professur besetzt – die Universitätsleitung hat per 1. Mai 2021 Annika Frahsa zunächst für vier Jahre zur Assistenzprofessorin für Community Health ernannt.

Expertin mit grosser politischer Erfahrung

Annika Frahsa schloss 2006 ein Studium der Politikwissenschaft (Dipl. Pol.) ab und promovierte 2013 zum Dr. phil. in Sportwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuletzt hat sie ihre Habilitationsschrift an der Eberhard Karls Universität Tübingen am Arbeitsbereich für Sozial- und Gesundheitswissenschaften des Sports eingereicht.

Prof. Frahsas Forschung wurde unter anderem vom Schweizerischen Nationalfonds SNF, dem deutschen Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und von Krankenkassen gefördert. Sie ist unter anderem Mitglied der Arbeitsgruppe für Bewegungsförderung des Bundesministeriums für Gesundheit und Beraterin für Gemeinden und Regionen im Rahmen des nationalen Programms zum Aufbau von Strukturen der Gesundheitsförderung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und hat immer wieder mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammengearbeitet.

Schweizweit einzigartig

«Die Universität schätzt sich glücklich, mit dieser Professur neu über ein wichtiges und bisher fehlendes Element im Bereich Gesundheitsforschung zu verfügen. Gesundheit und Medizin ist bekanntlich ein Schwerpunkt der universitären Strategie, zu welchem die Stiftung Lindenhof Bern einen innovativen Beitrag geleistet hat», sagt Christian Leumann, Rektor der Universität Bern. «Wir gehen davon aus, dass diese Professur viel Potenzial birgt, den bisher wenig beachteten Bereich Community Health voranzubringen».

«Mit der Berufung von Prof. Frahsa, einer exzellenten Forscherin und Dozentin in Politologie und Sportwissenschaft, eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit», ergänzt Claudio Bassetti, Dekan der Medizinischen Fakultät. Schnittstellen ergeben sich beispielsweise zur Sportwissenschaft, zur Psychologie oder zum Centre for Development and Environment CDE der Universität Bern, um Lebensbedingungen etwa in städtischen Quartieren lokal, aber auch weltweit zu verbessern. «Dies ergibt einen sehr zukunftsträchtigen Forschungsansatz, der die Stiftungsprofessur schweizweit einzigartig macht», sagt Bassetti.

Aktive Mitarbeit der Bevölkerung

Die Stiftung Lindenhof Bern engagiert sich seit über einem Jahrhundert im gemeinnützigen und humanitären Bereich. Sie fördert die Gesundheit, Bildung sowie Lehre und Forschung und ist unter anderem Partnerin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Seit 2013 finanziert die Stiftung Projekte aus Lehre und Forschung im Bereich Medizin und Pflege und leistet somit einen Beitrag an die Entwicklung des Medizinalstandortes Bern. «Es ist unser Ziel, mit Innovationen die öffentliche Gesundheit und Gesundheitsdienstleistungen für die Bevölkerung zu verbessern», sagt Marianne Sonder, Präsidentin der Stiftung Lindenhof Bern. «Der Bereich Community Health ist in der Schweiz noch zu wenig etabliert. In der Pandemie haben wir gesehen, wie wichtig die aktive Mitarbeit der Bevölkerung ist, um eine ganze Gesellschaft gesund zu halten», ist Marianne Sonder überzeugt. Mit der Professur wolle die Stiftung nun Forschung und Lehre zu einer Gesundheitsförderung ermöglichen, welche die Bevölkerung einbezieht.

Über Annika Frahsa

Annika Frahsa begann ihre Ausbildung an der FAU Erlangen Nürnberg, Deutschland, und verbrachte ein Austauschjahr in Kanada an der McGill University Montreal. 2006 schloss sie ihr Politologie-Studium ab und promovierte 2013 an der FAU in Sportwissenschaft zu Prozessen und Wirkungen partizipativer Ansätze in der bewegungsorientierten Gesundheitsförderung. Am dortigen Departement für Sportwissenschaft und Sport war sie von 2006 bis 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Unter anderem war sie für landesweite Projekte des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Bundesministeriums für Gesundheit als auch für internationale Projekte der EU zuständig, in denen sie Aktivitäten zahlreicher nationaler und internationaler Forschungsinstitutionen koordinierte. Mit der Universität Bern arbeitete sie bereits 2017-2020 im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts NFP74 MIWOCA (Migrant women’s health care needs for chronic illness services in Switzerland) zusammen. 2018 wechselte Annika Frahsa an die Eberhard Karls Universität Tübingen, wo sie 2020 am Arbeitsbereich für Sozial- und Gesundheitswissenschaften des Sports ihre Habilitationsschrift einreichte.

Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören soziale Faktoren von Gesundheit und Ungleichheiten im Gesundheitssystem, die Weiterentwicklung partizipativer Ansätze der Gesundheitsforschung sowie Interventionen zur Förderung gesunder Umgebungen, einschliesslich Strategien für gesundheitsfördernde resiliente Gemeinden und Quartiere. Annika Frahsa ist Trägerin diverser Grants und Auszeichnungen und ist Mitglied der AG Bewegungsförderung im Bundesministerium für Gesundheit und des Programmkomitees Partizipation des Kongresses Armut und Gesundheit.

Prof. Dr. Annika Frahsa, Lindenhof-Stiftungsprofessorin für Community Health am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. © Andreas Riedel
Prof. Dr. Annika Frahsa, Lindenhof-Stiftungsprofessorin für Community Health am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. © Andreas Riedel